Auf, Ihr Helden! N°4

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

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\ es ist bekannt, daß der Fußball in Karlsruhe eine große Tradition besitzt und sich hier bereits sehr früh eine Hochburg des noch jungen Sports heranbildete. Nach den ersten Anfängen unter Mithilfe Walter Bensemanns auf dem Engländerplatz, dessen jüngste Bebauung mit den Attributen unsensibel und gedankenlos zu bezeichnen noch wohlwollend formuliert ist, sind die deutschen Meisterschaften für den Phönix (1909) und den Karlsruher FV (1910) nur die spektakulärsten Belege dieser Hochzeit. Nach dem 2. Weltkrieg gerieten die beiden Altmeister jedoch in eine erhebliche sportliche Krise, die den Fußballstandort nachhaltig hätte gefährden können – wenn es nicht den VfB Mühlburg gegeben hätte.

Mit der goldenen Generation um Walter Baureis, Ernst Kunkel, Ossi Traub u.a. gelangen nicht nur 1947 der Sprung in die seinerzeit höchste deutsche Spielklasse (ausgerechnet in jenem Jahr, als KFV und Phönix zweitklassig wurden), die süddeutsche Oberliga, sowie die dortige Etablierung – sondern auch beinahe das Erreichen der Endrunde zur deutschen Fußballmeisterschaft. Und es war eben dieser VfB, der in die Fusion mit dem Phönix zum Karlsruher SC 1952 gerade jene notwendige fußballerische Qualität einbrachte, welche den jungen Verein 1955 und 56 zu zwei DFB-Pokalsiegen und in das Endspiel um die deutsche Meisterschaft gegen Borussia Dortmund führen sollte. Binnen kürzester Zeit war das Kürzel KSC zu einem Gütezeichen Fußballdeutschlands geworden.

Während es noch heute mit dem Wildparkstadion, der früheren Spielstätte des Phönix, oder etwa dem Fanclub „Phönix Sons“ griffige Berührungspunkte zum ehemaligen deutschen Meister gibt, ist der VfB Mühlburg für die Zeitgenossen doch arg in Vergessenheit geraten. Zumal es das legendäre Stadion an der Honsellstraße, gelegen am Lameyplatz zwischen Rheinhafen und Entenfang, heute nicht mehr gibt. Schon 1955 abgerissen, hat dessen Platz seither die Mühlburger Feuerwache eingenommen. Ohne Zweifel dürfte das Kürzel VfB für Freunde des KSC auch etwas kontaminiert sein. Der Kreis der „Phönix Sons“ wäre als „VfB Sons“ gewiß äußerst überschaubar geblieben…

Umso mehr freut es uns, daß wir mit Herrn Dr. Knobloch einen Gastautor gewinnen konnten, der in seinen jungen Jahren die Mühlburger Erfolge der Nachkriegszeit begeistert miterleben durfte. Seine Erinnerungen lesen Sie in dieser Ausgabe.

Ebenso als Autor neu vertreten ist der Karlsruher Sportjournalist Volker Knopf. Er widmet sich der Ära des heutigen Bundestrainers Joachim Löws als Trainer des KSC. Da dieses düstere Kapitel in der Vita des sympathischen Südbadeners und ehemaligen KSC-Spielers heute publizistisch in der Regel elegant ausgespart wird, denken wir in dieser Ausgabe noch einmal kurz daran zurück. Ebenso finden Sie Beiträge über Holger Gehrke und Marc Arnold, deren Namen noch heute, analog zu dem des Bundestrainers, unmittelbar mit dem Niedergang des KSC Ende der 90er Jahre verbunden werden. Arnold bekam dies erst vor wenigen Wochen nochmals deutlich zu hören, als sein aktueller Verein Hessen Kassel bei den Amateuren des KSC gastierte. Verletzungsbedingt nicht im Kader, verfolgte er das Spiel auf der Gerade von Platz II stehend. Es wäre wohl alles gutgegangen, hätte er nicht seine Sonnenbrille elegant über den Haaransatz gezogen – denn nun wurde er erkannt. Die hinter dem Tor stehenden Fans sandten ihm mit geschwungenen Fäusten einen verbalen Gruß, den zu zitieren an dieser Stelle noch nicht einmal mit Anfangsbuchstaben und Pünktchen möglich ist.

Wie in der letzten Ausgabe bei Beppo Hofeditz, so unterscheiden sich Arnolds Erinnerungen an seine Zeit im Wildpark doch deutlich von jenen der Zeitzeugen auf den Zuschauer- und Presseplätzen. Es ist offenbar, wie so oft im Leben, immer eine Frage des Standpunktes. Nur schade, daß der gemeine Zuschauer seinen nicht so ordentlich vergolten bekommt, wie der Akteur auf dem Rasen. Im Gegenteil.

Der Standpunkt des Titelhelden unserer heutigen Ausgabe, Arno Glesius, war stets unumstritten. Und über den miserablen Zustand des Rasens in der vergangenen Saison wunderte sich nur derjenige, der nicht mehr erinnerte, wie Glesius selbigen einst umzupflügen pflegte. Um die damaligen Wunden zu heilen, genügen unmöglich 15 Jahre.

Noch eine Anmerkung in eigener Sache. Ab der heutigen Ausgabe erscheint „Auf, Ihr Helden!“ zehnmal im Jahr. Der Leserzuspruch und die Materialfülle gaben für diese Entscheidung die Steilvorlage. Vielen Dank, wir nehmen diese gerne auf und vollstrecken mit dem größten Vergnügen!

Die Redaktion

Aus dem Inhalt:

Heft N°4 erschien im Oktober 2006

\ Die Print-Ausgabe von Auf, Ihr Helden! N°4 können Sie ganz einfach hier bestellen

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