Die Rheinpfalz-Kolumne vom 2. März 2010

Soviel vorweg: Der FCK hat am Sonntag in Karlsruhe verdient gewonnen. Daher hielt und hält sich der badische Gram gegenüber den Pfälzer Gästen doch in Grenzen. Manch einer wird über den bevorstehenden Bundesliga-Aufstieg des alten Rivalen sogar noch nicht einmal böse sein, da man in diesem Falle die rotgewandete Flut den Wildpark so bald nicht wieder überschwemmen sehen müßte. Viel mehr getroffen sein wird man hingegen von der erneut sehr schwachen Leistung des KSC. Und der Zorn mag sich hernach sogar noch gesteigert haben, als sich die sportliche Leitung nicht zu schade dafür war, die eher zufällige Pausenführung noch als Beleg dafür herzunehmen, daß man doch eigentlich lange Zeit recht passabel gespielt und mitgehalten habe. Unsinn! Der FCK hatte die ersten 45 Minuten schlicht verschlafen und mehr die Wetterkapriolen genossen, als sich mit dem Spiel zu beschäftigen. Sobald er nach der Halbzeit ein wenig anzuziehen begann, war es um das Karlsruher Kartenhäuschen geschehen gewesen.

Nur weg von hier!

Schon vor der Begegnung hatte man niemanden getroffen, der auf einen Sieg des KSC hätte setzen mögen. Noch nicht einmal der Stolz des blau-weißen Anhangs war also groß genug, um der eigenen Mannschaft ein würdiges Derby-Auftreten zuzugestehen. Zumal so mancher den Parolen vom „Spiel des Jahres“ und von Spielern, die sich der Bedeutung des Spiels bewußt sein, aus gutem Grunde mißtraute: Denn das bedeutungsreiche aber blutarme Heimspiel gegen den VfB Stuttgart aus dem Frühjahr des vergangenen Jahres werden viele nicht vergessen haben. Und angesichts der Tatsache, daß sich Charakter und Auftreten der Mannschaft seither nicht verbessert haben, war die Skepsis nicht nur angebracht, sondern leider auch berechtigt. Nein, so recht identifizieren mag sich niemand mehr mit dieser Truppe, die seit Wochen nicht anders auftritt wie ein Absteiger. Noch hat der KSC 5 Punkte Vorsprung vor dem Relegationsplatz und den (noch) nur wenig energisch nachsetzenden Konkurrenten, sodaß es nicht ausgeschlossen ist, daß es am Ende zum Klassenerhalt reichen kann. Auch sich die Hauptverantwortlichen auf dem Rasen so gar nicht darum zu bemühen scheinen. Aber auch im Falle einer sportlichen Qualifikation für ein weiteres Jahr in der 2. Bundesliga wird am Ende das Gefühl eines 2. Abstieges in Folge bleiben. Zu viel Kredit wurde verspielt – und den zurückzuholen, wird viel Arbeit kosten.

Ratlos und überfordert

Auch Markus Schupp, so weit darf und muß man zum jetzigen Zeitpunkt gehen, hat den sich seit 2 Jahren hinziehenden Verfall der Mannschaft nicht aufhalten können und wirkt öffentlich derzeit ebenso ratlos wie überfordert. Es bleibt momentan nur zu hoffen, daß er mannschaftsintern weitaus direkter und entschlossener wirkt. Und zwar ebenso sehr wie die Fans am Sonntagnachmittag. Denn mit Ende der trostlosen Veranstaltung ließen sich die Zuschauer in ihrer Hast, den Ort des Grauens schnellstmöglich zu verlassen, noch nicht einmal von dem durch den Hardtwald fegenden Sturm abhalten.

Ärgerlich und unnötig

Daß das Spiel überhaupt stattgefunden hatte, war angesichts der Wettervorhersagen ohnehin überraschend. Denn das Wildparkstadion – soviel sollte eigentlich bekannt sein – ist nicht erst vor 14 Tagen in ein geschlossenes Waldgebiet gebeamt worden, sondern steht schon seit fast 90 Jahren an diesem Ort. Und daß das angekündigte Sturmtief just am Rhein haltmachen würde, hätte man noch nicht einmal damals geglaubt, als der Westwall noch stand. Nicht zum ersten Mal in der jüngeren Vergangenheit tat man sich am Wochenende in Karlsruhe also offenbar schwer, die Gefahrenlage weniger am Spielplan als an der Gesundheit der Zuschauer auszurichten. Noch einmal ist es einigermaßen gut gegangen, wobei 2 verletzte Polizisten sowie zahlreiche demolierte Autos schon ärgerlich und unnötig genug sind.

Häme ist nicht angebracht

In diese Kategorie gehören allerdings auch die Gesänge der Gästefans, die sich angesichts der Umstände lauthals über die „Bruchbude Karlsruhe“ ausließen. „Gemach, ihr lustigen Brüder!“, mochte man ihnen zurufen. Sind doch die auf den Rasen des Betzenbergs segelnden und einen Ordner treffenden Tribünendachteile noch in guter Erinnerung. Auch hat man sich in Karlsruhe nicht von Stadt und Land ein Stadion finanzieren lassen, das man sich hernach schlicht nicht mehr leisten kann. Der KSC war und ist ein armer Verein, der mit den Gegebenheiten, die ihm zur Verfügung gestellt werden, auskommen muß. Die Häme der FCKler ist also gewiß nicht angebracht, wenn das eigene Selbstbewußtsein nur auf Pump basiert.


Die hier veröffentlichten Beiträge des Herausgebers Matthias Dreisigacker basieren auf den Kolumnen in der Zeitung Die Rheinpfalz, die dort in der Regel montags in der Rubrik 'An der Seitenlinie', veröffentlicht werden.
Hier werden sie am jeweils darauf folgenden Donnerstag freigestellt.


Hinterlasse einen Kommentar

XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>