Giuseppe „Pippo“ Campanella (* 1961) geht seit fast vierzig Jahren in den Wildpark und war Mitglied eines der ersten Fan-Clubs des KSC. Der leidenschaftliche Italiener hat sein großes Herz ganz dem KSC gewidmet. Für viele KSC-Fans ist die Bier-Bar Milano – 1963 von seinem Vater eröffnet und heute von Pippos Frau geführt – in der Marienstraße in der Südstadt seit Jahrzehnten ein zentraler Anlaufpunkt: Vor und nach dem Spiel. Und überhaupt.
Pippo, was ist für Dich „typisch KSC“?
Der Wildpark! Der KSC und sein Stadion gehören einfach zusammen – wie die Pyramide zu Karlsruhe
Wann warst Du das erste Mal im Stadion?
Mit sieben oder acht Jahren: KSC gegen Jahn Regensburg in der Regionalliga Süd. Dreißig oder vierzig Tausend Zuschauer waren da und Gäste aus der Kneipe meines Vaters, dem Milano, hatten mich auf Ihren Schultern. Danach bekam ich eine Bratwurst und eine Cola, das weiß ich noch.
Es war in den frühen Jahren immer so, daß ich nicht von meinem Vater, sondern eben von dessen Bekannten ins Stadion mitgenommen wurde.
Und wann fing es an, daß Du mit Gleichaltrigen oder Freunden zu den Spielen gingst?
Ein Jahr vor der Aufstiegssaison, also 1973, Von da an war ich immer im Block, im Fünfer. Damals lag auf der Tartanbahn immer eine Riesenfahne, und dahinter trafen sich dann die Fans.
Hast Du auch den „Fußballgott“ angebetet?
Ach Gott, ein paar Mal… Aber der hat mich nie erhört. Seit es den gibt, erhört er vielleicht andere, aber nicht uns.
Nun ja, andere Zeiten. Heute gibt es im Block den Vorsänger mit dem Megaphon, damals war ich es und noch ein anderer. Wir hatten nur unsere Stimme, das hat gereicht.
Und was hast Du erlebt?
Das erste Mal „auf’s Maul“ für mich gab es in Worms. Die Fans fuhren seinerzeit mit den Bussen vom Pieck und unser Treffpunkt war beim Krokodil – von dort aus fuhr man dann los. Für das Worms-Spiel verpaßte ich aber den Bus und fuhr natürlich mit dem Zug hinterher. Die Hinfahrt war okay, aber die Rückfahrt… Am Bahnhof warteten nach dem Spiel die Wormser – und da ich alleine war und noch meinen selbstgestrickten Schal trug, wurde es für mich zur Tortur.
Die Fan-Artikel machte man sich damals noch selbst. Den Stoff für unsere Fahne kaufte ich hier in der Südstadt, in der Werderstraße. Da gab es im Hof ein Fahnengeschäft. Damals hatten ja alle eine möglichst große Fahne.
Warst Du in einem Fan-Club?
Ja, natürlich – im KSC_Fan-Club Wildpark 74 e.V. Wir waren die ersten, bis, glaube ich, Ende der Siebziger der BWAC, der Blau-Weiß-Anhänger-Club kam. Das war die Spaltung. Anschließend kam der Phönix, der später als kriminelle Vereinigung verboten wurde.
Weshalb? War es berechtigt?
Teils, teils, Ich selbst war nie im Phönix, hatte dort aber einige Kumpels. Und es war damals in, daß man sich, vor allem auswärts, „durchschlug“.
Man stand zum Teil sogar neben den gegnerischen Fans, weil es keine Blocktrennung gab. Offenbach zum Beispiel. Wir standen auf der linken Seite der überdachten Gegengeraden, die Offenbacher rechts. Oder Darmstadt. Die so etwa in der Mitte und wir nicht weit weg an der Seite der Gegengerade. Und das ohne Zaun zwischen uns.
Unser erster Haßgegner – nach dem VfB – war Saarbrücken. Wir fuhren mit zehn Bussen los und als wir ankamen, standen die schon da. Die sind dann aber gerannt… Das war 1979. Das war das erste Mal, daß wir auswärts so richtig „den Mob gemacht haben“.
Das hing mit dem Abstieg 1977 zusammen. Unter Krafft haben die doch die Spiele verschoben und für uns Karlsruher war das Tatsache, obwohl es bis heute nicht bewiesen ist.
Gab’s besondere Erlebnisse?
Sechzig, Gladbach, Schalke, Saarbrücken, Darmstadt… Das heißeste war gegen Sechzig, als wir die 1981 mit 7:2 in die 2. Liga geschickt haben. Die wollten unseren Block stürmen „un’ dann hat’s halt gebbe’!“ Die haben geglaubt, sie könnten den Affen machen …
Was sagte Dein Vater zu Deinem Fanleben?
Ach, der sagte immer, ich sei ein Rocker. Aber es war halt damals so und ist es heute noch: Es gibt kein Hin und Her – selbst wenn das Wetter mal noch so schlecht ist, wird man kribbelig, setzt sich eine halbe Stunde vor dem Spiel ins Auto und fährt raus.
Wenn ich es, selten genug, trotzdem nicht tue, sitze ich vorm Radio oder Fernseher und sage mir: „Du Idiot, warum bist Du nicht gegangen?“.
Wann endete Deine „aktive Zeit“?
1986. Da gab es einen Todesfall in der Familie und dann beruhigte sich das alles langsam.
Aber heute schaue ich vor dem Spiel natürlich immer noch danach, was bei den Fans los ist. Irgendwie, obwohl es für mich auf die Fünfzig zugeht, stehe ich immer noch im Block.
Wo ist heute Dein Platz im Stadion?
Selbst nach der Hochzeit mit meiner Frau waren wir noch zwei, drei Jahre im Block. Aber sie wollte dann nicht mehr, auch weil sie ab und an halt etwas Bier abbekommen hat…
Aus dem Hintergrund folgt vehementer Protest von Gattin Conni: „Ach was , hör auf, Du wolltest doch auf die Tribüne!!!
Hmm, ja, tja…, auf der Tribüne war es halt doch etwas ruhiger und gediegener. Man hat eben jederzeit seinen Platz. Und mein Platz auf der Empore ist natürlich phantastisch. Man hat einen so herrlichen Blick, daß man sich in ein ganz anderes Stadion hineinversetzt fühlt.
Aber ich hoffe, daß wir beim KSC eines Tages englische Verhältnisse bekommen. Da ist eine herrliche Atmosphäre, weil auch die älteren Tribünenbesucher einfach mitsingen – und nicht nur die jungen. Wenn ich heute auf meinem Platz alleine zu singen anfange, dann werde ich von den anderen nur blöd angeschaut.
Wie fußballverrückt warst Du? Hast Du Dir bei Gelegenheit überall Spiele angeschaut, auch im Urlaub?
Nein, überhaupt nicht. Ich bin kein Fußballfan – ich bin KSC-Fan.
Noch nicht einmal in Italien?
Nein. Meine einzigen Sympathisanten sind die Straßburger. Die waren schon in den Siebzigern bei uns im Block.
Und welche Vereine gehen für Dich gar nicht?
Stuttgart natürlich. Aber Lautern finde ich so schlecht nicht, da sind Schalke oder Dortmund zehnmal schlimmer. Stuttgart? Ende der 80er wollten die bei den Kickers mal auf mich los: „Do isch’er, do isch’er!“ Zu viele Schwaben…
Hattest Du Lieblingsspieler?
Ja, klar. Ich erlebte noch die letzten Jahre von Horst Wild mit. Als alle schon auf ihn geschimpft haben, hielt ich trotzdem zu ihm. Dann natürlich Rudi Wimmer. Dessen Abschiedsspiel war toll. Obwohl wir in Karlsruhe nicht das geschafft haben, was ein paar Jahre zuvor in Köln bei Overaths Abschied abging. Da war die Hölle los – und bei uns waren nur 9.000 Zuschauer. Das werde ich nie vergessen. Auch Schäfer war gut. 1976 gegen Bochum, wir lagen bei strömendemRregen 0:2 zurück und Schäfer hat die Mannschaft noch zum 2:2 getrieben, den Ball aus dem Tor geholt, „auf geht’s, auf geht’s“ und so… Das war ein klasse Erlebnis!
Balewski, Janzon, mit Abstrichen der Trenkel, auch später ein Harforth. Der wurde immer unterbewertet, weil er so faul war – aber ein klasse Fußballspieler, wenn er Lust hatte!
Lars Schmidt, unser Donadoni. Hermann Bredenfeld…
… na dann machen wir es doch mal richtig. Stelle bitte Dein KSC-Traum-Team zusammen.
Im Tor Wimmer. In der Abwehr Rainer Ulrich, Dirk Schuster, Hermann Bredenfeld und natürlich Gunther Metz. Im Mittelfeld Wolfgang Rolff, Michael Harforth, Winnie Schäfer, Kalli Struth – obwohl er Libero war, aber heute würde er im Mittelfeld spielen. Vorne Emanuel Günther, Roland Vogel, Sergej Kiriakov, Edgar Schmitt. Und als Trainer eigentlich Schäfer, aber Calli Rühl wäre auch okay.
Welches Spiel würdest Du gerne noch einmal sehen?
Das Klischee wäre Valencia. Aber…, es wäre das 1:2 von 75/76 gegen die Bayern. Das war das erste Mal, daß draußen Schwarzkarten verkauft wurden. Es müssen 50.000 Zuschauer im Stadion gewesen sein… Ach ja, wie war das 1987 gegen St. Pauli, als wir aufgestiegen sind? Das Stadion war voll und der Stadionsprecher gibt 18.000 durch. Wir haben alle gelacht! Aber, das ist ja wurscht…
Und welches Spiel würdest Du am liebsten aus Deinem Gedächtnis streichen?
Da gab es einige. Ich war in Wattenscheid dabei, als wir den UEFA-Cup verspielt haben. Aber total streichen würde ich das Pokal-Finale gegen Kaiserslautern. So ein Mist. Der Reitmaier war der schlechteste Torhüter, den wir jemals hatten. Alle, die von Lautern zu uns kamen, waren scheiße – bis auf Gunther Metz.
Welcher Ex-KSCler würde im Milano kein Bier bekommen?
Fahnenflüchtige! Hengen, der würde von mir gar nichts bekommen. Der hat auch von unserem Abstieg 1998 profitiert.
Freust Du Dich auf das neue Stadion?
Schon seit Jahren. Unser Präsident hat ja angekündigt, daß „Wildpark“ in den neuen Stadionnamen integriert wird. Mal sehen, ob er es einhalten kann. Aber egal, Hauptsache ist, der KSC bekommt endlich ein schönes Stadion!
Was hat sich eigentlich für Dich verändert, seit es Standard ist, den Gästen einer Kneipe Fußball auf Premiere präsentieren zu müssen?
Nichts, ich sehe es ja selbst gerne. Die Sportschau lohnt sich nur, wenn Stuttgart verloren hat –oder? Was hat sich denn auch groß verändert: Der KSCler liest den Kicker, wie früher, von hinten, weil da die Berichte über die 2. Liga stehen. Ein paar Jahre durften wir ihn von vorne lesen – aber die längste Zeit habe ich ihn von hinten nach vorne gelesen.
Aber: Wir sind nicht totzukriegen. Und ich sage immer: Seit 100 Jahren spielen wir Spitzenfußball. Da kann man in Heidelberg noch so viel auf den Kopf stellen, das ist nicht aufzuholen. Seit über 35 Jahren gehe ich auf den KSC – wie noch so viele, viele andere – das können die nie mehr drehen.
Wie siehst Du den KSC heute?
Mit dem Präsidenten Raase ist jetzt alles seriöser. Ich sage nicht, daß Dohmen ein toller Manager ist – aber für uns ist er okay. Und der Becker ist für uns die Ideallösung – da hätten wir schon auf Kuntz verzichten können und uns wäre vieles erspart geblieben.
Was hatten wir nicht schon alles für Spinner im Präsidium. Alleine der Dietrich. Oder solchen Unsinn wie: „KSC – mehr als Fußball“… Wer braucht denn schon Boxen oder Leichtathletik? Mußte eine Heike Drechsler eine Million im Jahr bekommen? Der KSC ist Fußball!
Pippo, zum Schluß noch ein paar Stichwörter für Dich: Jogi Löw…
Drecksau, A…loch. Der hat doch die wenigsten Punkte aller KSC-Trainer geholt! Und heute verschweigt er seine Zeit bei uns. Das halbe Jahr wird völlig verleugnet.
Bröndby.
Das war ein richtig tolles Auswärtsspiel, das wir sogar höher hätten gewinnen müssen. Uns im Rückspiel bekommen wir dann den Hintern versohlt. Armer Metz, das war das schlechteste Spiel, das er je für den KSC gemacht hatte.
Werner Olk.
Damals kein schlechter Trainer. Unsympathisch, aber okay.
Rot-Weiß Essen.
Geil! Geiles Stadion und die Essener sind geile Fans. Noch als wir in Karlsruhe meinten, es genüge, die Mannschaft mit Fahnen anzufeuern, gingen die schon auf alles los, was sich bewegt hat
Nackter Mann.
Fan-Treff. Ich habe in meinem Leben nie verstanden, warum der nackt ist…
Roland Schmider
Hat dem KSC viel Gutes gebracht, verlor aber irgendwann das Gespür für Richtig oder Falsch verloren.
Karlsruher Leben.
Unser erster Hauptsponsor. Hat auch gut gepasst!
Das war’s – vielen Dank!
Hoch lebe der KSC!





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Haool Giuseppe,
da ich seit 01.01.2009 in Rente bin,habe ich jetzt mehr Zeit.Als langer und immer noch KSC-Anhaenger und Mitbegruender und Vorstand des 1.KSC Fan-Club Wildparck e.v. 74 habe
ich deinen Beitag mit Interresse verfolgt.
Wir wollen im Jahr 2009 ein treffen aller alten Mitglieder veranstalten.
Hast du noch Kontakt zu Mitgliedern.
Bitte teile mir diese mit.
mit sportlichen gruessen
Didi
Und der erste der mich in den Wildpark gebracht hatte war mein Onkel Pippo, er legte mir einen KSc Schal um den Hals und kaufte mir eine “Mehrkäs” glaub schreibt man so (das ist einen Elsäßische scharfe Wurst). Heute noch bin ich ein großer KSC Fan dafür bin ich in heute noch dankbar grazie Zio
Forza KSC
grüße Gaetano Clinca