\ Der gebürtige Karlsruher Michael Sternkopf, geb. am 21.4.1970, erzielte in 33 Bundesligaspielen vier Tore für den Karlsruher SC. Im Sommer 1990 wechselte er zwar zum FC Bayern München, behielt bei den KSC- Fans jedoch bis heute seine hohen Sympathiewerte. Sternkopf bekleidet heute bei seinem letzten Verein, den Offenbacher Kickers, die offizielle Funktion des Marketingleiters.

(…)

Herr Sternkopf, was ist für Sie „typisch KSC“?
Michael Sternkopf : Die Talente! Der KSC hatte und hat eine wahnsinnig gute Jugendarbeit – und zu meiner Zeit stand hierfür ein Rainer Ulrich, der als Trainer der Amateurmannschaft einige junge Spieler hatte so formen können, daß sie nicht nur den Sprung in die erste Mannschaft schaffen, sondern manche darüber hinaus sogar zum FC Bayern wechseln konnten.
Es ist auch heute bewundernswert, wie sehr der KSC auf die Jugend setzt. Es wird in Deutschland häufig davon gesprochen, daß man keine Talente mehr habe. Ich meine jedoch, daß es genug deutsche Talente gibt, die Vereine diesen jedoch unter dem Ergebnisdruck nicht ausreichend Zeit zum Reifen einräumen. Da holt man eher fertige Spieler aus dem Ausland. Aber die sind meistens, sofern sie keine Top-Spieler sind, auch nicht weiter als die Deutschen.

Haben Sie noch Erinnerungen an Ihren ersten Besuch im Wildparkstadion?
Michael Sternkopf : Ich weiß nicht mehr, gegen wen das war. Ich erinnere mich nur, mit Vater und meinem großen Bruder, der vier Jahre älter ist, da gewesen zu sein. Ich saß auf den Stufen und spielte im Sand… 90 Minuten sind so lang, dass es irgendwann natürlich einfach nur langweilig wurde. Es muß in der Bundesligazeit um 1976 gewesen sein. Wahrscheinlich weiß das nur mein Vater, der mich immer mitgenommen hat und somit auch zum Verein brachte.

Wo war Ihr Stammblock im Wildpark?
Michael Sternkopf : Das war der Zweier, von der Haupttribüne links hinter dem Tor.

Sind Vater und Bruder heute noch öfters zu Heimspielen da?
Michael Sternkopf : Da mein Bruder seit ca. zehn Jahren in England lebt, ist er natürlich nicht mehr im Wildparkstadion. Mein Vater ist aber noch hin und wieder dort und drückt die Daumen.

Hätte es eigentlich irgendwann noch einmal die Möglichkeit gegeben, zum KSC zurückzukehren? Gab es Kontakte?
Michael Sternkopf : Ja, 1992. Ich wollte zum KSC zurück, egal, ob mich Bayern verkauft oder ausgeliehen hätte. Ich hatte sogar bereits Kontakt mit Calli Rühl und mich, so glaube ich mich zu erinnern, in München mit ihm getroffen. Ich machte deutlich, daß ich gerne zurückkehren würde, woraufhin er es mit Schäfer besprach. Doch Schäfer lehnte ab. Da dachte ich mir schon, das kann doch nicht wahr sein… Das war sehr schade.

Mit welchen KSC-Spielern haben Sie sich besonders gut verstanden?
Michael Sternkopf : Nun, es war so, dass ich problemlos in die Mannschaft hineinkam und viele Leute ganz einfach mochte. Der Begriff Freunde würde zu weit führen, da der Altersunterschied bisweilen doch sehr groß war. Aber es war eine verdammt schöne Zeit!
Generell war es ein Riesending für mich, mit einem Michael Harforth in einer Mannschaft zu spielen. Ich möchte nicht sagen, dass er mein Vorbild war – so etwas hatte ich nie – aber ich mochte ihn spielen sehen, schon als Kind. Und auf einmal liegt man mit so einem im Trainingslager auf einem Zimmer! Oder auch ein Rainer Schütterle, Srecko Bogdan, Wolfgang Trapp… oder Helle Hermann.

Fällt Ihnen eine witzige Geschichte ein?
Michael Sternkopf : In der Kabine saß mir Wolfgang Trapp schräg gegenüber. Die damaligen Hosen hatten ja solche Innenhosen und es war noch nicht so, dass die Trainings- und Spielkleidung personenbezogen war. Beim KSC waren viele dieser Innenhosen zerrissen und verschlissen. Wenn man nun in die Kabine kam, lag auf jedem Platz eine komplette Garnitur mit Trikot, Hose, Stutzen und Schuhen – und diejenigen, die zuerst kamen, schauten zuerst in die Hose, ob sie ganz war. Wenn nicht, guckte man sich um, um sie auszutauschen. Und dann kam ich eines Morgens herein, fand bei mir eine kaputte Hose und bediente mich einfach bei Trapp, der eine gute bei sich liegen hatte. Natürlich tauschte ich die Hosen aus. Der Wolfgang kam, prüfte zuerst seine Hose und nach einem kurzen Blick in die Runde meinte er nur ganz trocken zu mir: „Sternkopf! Wenn Du noch einmal meine Hose nimmst, dann schneide ich Dir die Finger ab!“ Als Jungspund sagte ich mir dann natürlich „um Gottes Willen, nie wieder!“. Witzig, weil ich mich mit ihm immer sehr gut verstanden habe.
Das waren geachtete Hierarchien in einer Mannschaft, die es so heute nicht mehr gibt. Ich verurteile nicht, wenn ein junger Spieler mit 18, 20 Jahren heute Millionen verdient – wer täte das nicht – aber dem Respekt gegenüber Älteren ist dies nicht förderlich. Dazu hat man zu schnell bereits zu viel erreicht.
Wobei, das fällt nicht nur Achtzehnjährigen schwer, auch Dreißigjährigen… Das ist aber nicht fußballspezifisch, sondern gilt für alle Lebensbereiche. Der Respekt vor dem Menschen und was ihn ausmacht ist weniger geworden.

Hatten Sie bspw. vor Seppl Klimesch Respekt?
Michael Sternkopf : Ja, total! Auch wenn ich teilweise mit ihm, wie jeder andere, auch aneinander geraten bin (lacht)… Speziell wenn es darum ging, wo meine Schuhe sind und er nur meinte, die habe ich wohl mit nach Hause genommen. Was natürlich Unfug war, da ich sie nie mitgenommen habe. Da wurde er immer fuchsteufelswild und brüllte: „Ich geh’ mit Dir zum Riiiehl, ich geh’ mit Dir zum Riiiehl!“ Dennoch, ich mochte ihn und der Respekt war immer da.
Der Seppl Klimesch, wie lange ist das her…

Apropos Hermann. Hätten Sie ihm eine größere Karriere zugetraut?
Michael Sternkopf : Ja, auf jeden Fall. Ebenso wie einem Uwe Bühler. Mit Raketen-Bühler, wie damals in den Zeitungen stand, habe ich zwar natürlich noch nicht gespielt, aber: Waaahnsinn!
Beide waren Spieler, die ihre Karrieren aus gesundheitlichen Gründen viel zu früh beenden mussten. Sehr bedauerlich.

Was empfanden Sie eigentlich im Jahr 2000, als der KSC drittklassig wurde?
Michael Sternkopf : Wahnsinn. Unheimlich schade. Aber man sieht wie schnell es im Fußball gehen kann, wenn man sich einmal bei Transfers irrt oder es nicht hundertprozentig passt. Und der KSC hatte nur wenige Jahre zuvor Spiele wie gegen Valencia abgeliefert, um sich dann in der Regionalliga wiederzufinden. Das tat mir sehr leid. Allerdings bin ich auch jemand, der sagt, es ist nichts so schlimm, als daß es nicht für irgend etwas gut ist. Und jetzt ist der Verein ja wieder auf einem guten Weg. Es ist schön zu sehen, dass es wieder läuft und die richtigen Leute am Werk sind.
Wissen Sie, für den Verein waren die Erfolge in 90ern zwar eine Riesensache, aber die Zuschauer wurden unheimlich verwöhnt. Nach den letzten Jahren wissen die Fans nun den Erfolg und guten Fußball wieder zu schätzen. Heute ist sportlicher Erfolg in den Bundesligen nicht mehr „normal“. Es muß hart gearbeitet werden und kleinste Fehler werden bitter bestraft.

Wo landet der KSC am Ende der Saison?
Michael Sternkopf : Zunächst einmal hätte vor der Saison überhaupt niemand mit diesem Erfolg gerechnet. Jetzt sieht es so aus, daß es KSC in der Hand hätte. Vielleicht käme der Aufstieg auch ein Jahr zu früh und die Zuschauer wären nach einem Scheitern sofort wieder sehr enttäuscht. Aber Prognosen sind schwierig und auf das Bauchgefühl möchte ich mich nicht verlassen. Ich drücke ihm auf jeden Fall die Daumen. Wenn sich die Chance ergibt, wird der KSC jedenfalls bestimmt alles geben. Es wäre natürlich schön, wenn der KSC die Punkte aus dem Heimspiel gegen den OFC zum Aufstieg nicht mehr benötigen würde (lacht)
Aber gönnen würde ich ihm den Aufstieg natürlich, weil ich beim KSC meine schönste Zeit erlebt habe und an mein erstes Bundesligaspiel sowie mein erstes Tor denke. Die Berichte in der Zeitung, das erste Trainingslager in Dubai und wie ich begann, die Welt kennenzulernen…

Herr Sternkopf, Ihr Lieblingsstadion?
Michael Sternkopf : Das San Siro in Mailand, in dem ich einmal spielen durfte. Ein tolles Gefühl. In der Bundesliga habe ich natürlich gerne in Dortmund gespielt, aber letztlich hatte jedes Stadion seinen eigenen Charme.

\ Ein ausführliches Gespräch mit Michael Sternkopf finden Sie in der Print-Ausgabe von Auf, Ihr Helden! N°6

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